Förderung beruflicher Teilhabe von Personen mit schweren psychischen Erkrankungen. Einstellungen, Barrieren und förderliche Faktoren (TAPE)

Projektträger: Universität Ulm

Projektverantwortliche: PD Dr. phil. Silvia Krumm MAsoz

Hintergrund:

Eine Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt trägt maßgeblich zur sozialen Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen bei. Insbesondere Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen sind jedoch häufig arbeitslos, werden vielfach bereits in jungen Jahren berentet und sind daher weitgehend von beruflicher Teilhabe exkludiert. Über die Angebote des Rehabilitationssystems, das prinzipiell allen erkrankten bzw. von Behinderung betroffenen Menschen zur Verfügung steht, werden sie nur unzureichend erreicht. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 hat Deutschland das Recht auf eine gleichberechtigte berufliche Teilhabe anerkannt und sich dazu verpflichtet, den allgemeinen Arbeitsmarkt durch geeignete Schritte inklusiver zu gestalten. Der Bundesteilhabebericht fordert, Menschen, die aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung behindert oder von Behinderung bedroht sind, bei der Arbeitssuche, beim Erhalt und der Beibehaltung eines Arbeitsplatzes sowie beim beruflichen Wiedereinstieg besser zu unterstützen [2]. Insbesondere sind dabei Maßnahmen zu entwickeln, die eine berufliche Teilhabe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt fördern. Den Arbeitgebern kommt bei der Förderung von beruflicher Teilhabe psychisch erkrankter Personen eine zentrale Rolle zu. Es liegen bislang nur vereinzelte Befunde vor zu den Erfahrungen, Sichtweisen und Unterstützungsbedarfen von Arbeitgebern bezüglich Einrichtung und Vergabe geeigneter Arbeitsplätze. Zudem ist nur wenig bekannt über die Sichtweisen der von einer psychischen Erkrankung betroffenen Menschen auf Barrieren sowie insbesondere über förderliche Faktoren einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Dieses Wissen ist grundlegend für die Entwicklung von Maßnahmen zur Unterstützung von Arbeitgebern sowie für eine verbesserte Bedarfspassung zwischen den Betrieben und den Jobsuchenden.

Ziele:

  1. die Identifizierung von Barrieren und förderlichen Faktoren für die berufliche Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt aus der Perspektive von Arbeitgebern und psychisch erkrankten Personen
  2. die systematische Analyse von praxisbezogenen Lösungserfahrungen bei der Beschäftigung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und
  3. die partizipative Entwicklung praxistauglicher Tools für Arbeitgeber und Betriebe zur Verbesserung der beruflichen Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Methodische Umsetzung:

Es handelt sich um ein zweiteiliges Forschungsvorhaben.

Teilprojekt 1 beinhaltet die empirische Datenerhebung mittels eines Mixed-Method-Ansatzes. Ziel ist die Erfassung der Erfahrungen, Einstellungen und Bedarfe der zentralen Akteure (Arbeitgeber und Personen mit psychischen Störungen) hinsichtlich beruflicher Teilhabe von psychisch erkrankten Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ein besonderer Fokus liegt auf den Praxiserfahrungen von gelungener teilhabeorientierter Arbeitsplatzgestaltung sowie erfolgreichen Unterstützungsformen. 

Teilprojekt 2: Aufbauend auf den Ergebnissen aus Teilprojekt 1 werden Praxistools und Handlungsempfehlungen entwickelt, die Arbeitgeber bei der Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit psychischen Erkrankungen unterstützen sollen.