Stiftungsprofessuren

Mit der Förderung der FIS-Professuren wird die Sozialpolitikforschung in Deutschland strukturell gestärkt. So wird es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in diesem Zusammenhang ermöglicht, sich als Professorin bzw. Professor mit einem sozialpolitischen Thema an einer deutschen Hochschule zu etablieren. Zugleich ermöglichen die Professuren den jeweiligen Hochschulen eine Profil- bzw. Strukturbildung im Bereich der Sozialpolitik- und Sozialrechtsforschung.

2020

Stiftungsprofessur „Das Recht der sozialen Sicherung mit dem Schwerpunkt in Digitalisierung oder in Migration“, Universität Hamburg (Jun.-Prof. Dr. Gabriele Buchholtz)

Mit der neuen Professur „Das Recht der sozialen Sicherung mit dem Schwerpunkt in Digitalisierung oder in Migration“ wird eine Schnittstelle der Sozialpolitikforschung zwischen Sozial- und Arbeitsrecht geschaffen. Die Professur wird im Öffentlichen Recht verortet; sie deckt sozial- und arbeitsrechtliche Kernfragen ebenso ab wie Migrations- und Digitalisierungsthemen. Weil Lösungsansätze für die hier aufgeworfenen Fragen im Austausch mit den Nachbarwissenschaften – insbesondere den Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften – zu suchen sind, ist die Professur interdisziplinär ausgerichtet.

In der Forschung widmet sich die Professur der sozialen Sicherung im Kontext der globalen Migration und der zunehmenden Digitalisierung. In den Blick genommen wird der tatsächliche Wandel, mit dem die Rechtsordnung, insbesondere das Sozial- und Arbeitsrecht, konfrontiert ist. Konkrete Forschungsperspektiven sind einerseits der Bereich Migrations- und Integrationsrecht, wobei die Ermöglichung von chancengleicher Teilhabe und der Umgang mit kultureller Vielfalt im Zentrum der Forschung stehen. Ferner widmet sich die Professur der sozial- und arbeitsrechtlichen Sicherung im grund- und menschenrechtlichen Kontext. Ein dritter Forschungsbereich betrifft die Themen Digitalisierung und Recht, insbesondere die soziale und demokratische Teilhabe im digitalen Zeitalter und die Regulierung künstlicher Intelligenz zum Wohle der Allgemeinheit.

In der Lehre widmet sich die Professur insbesondere der universitären Schwerpunktlehre im Bereich des Sozialrechts mit seinen arbeitsrechtlichen Bezügen. Die Professur wird Themen und Konzepte für eine moderne, kompetenzorientierte und studienzentrierte (digitalen) Lehre entwickeln. Ziel der Forschungs- und Lehrtätigkeit ist es, Studierende an Fragen der sozialen Gerechtigkeit heranzuführen und ihr Bewusstsein für die gesellschaftliche Relevanz des Rechts im nationalen ebenso wie im globalen Kontext zu schärfen. Darin liegt eine enorme Verantwortung angehender Juristinnen und Juristen, die es wahrzunehmen gilt. Dazu möchte die Professur einen Beitrag leisten.

Stiftungsprofessur „Öffentliches Recht und Europäisches Recht mit Schwerpunkt in der interdisziplinären Sozialrechtsforschung", Europa-Universität Viadrina (Prof. Dr. Claudia Maria Hofmann)

Die Professur für Öffentliches Recht und Europäisches Sozialrecht mit Schwerpunkt in der interdisziplinären Sozialrechtsforschung (Prof. Dr. Claudia Maria Hofmann) wendet sich in Forschung und Lehre insbesondere der Schnittstelle von Sozialrecht und Gesellschaft in ihrer nationalen, europäischen und internationalen Dimension zu. Mit Blick auf Ziele wie etwa die Bekämpfung von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung, die Förderung sozialer Gerechtigkeit und sozialen Schutzes oder die Verbesserung der Lebensstandards der Menschen, wie sie in europäischen und internationalen Rechtsinstrumenten enthalten sind, stellt sich die Frage, wie Rechtsnormen im Mehrebenensystem und die durch sie geschaffenen Verfahren, Institutionen und Überwachungsmechanismen beschaffen sein müssen, um diese Ziele tatsächlich zu fördern und widerstreitende Interessen in einen angemessenen Einklang zu bringen. Die Frage, welche Rolle das Recht effektiv bei der Verwirklichung dieser Ziele spielen kann, kann das Recht kaum aus sich selbst heraus beantworten. Hier ist der Dialog mit Nachbardisziplinen wie der Soziologie, Politikwissenschaft, Ökonomie, Philosophie oder auch der Verhaltensbiologie und -psychologie erforderlich. So zielt die Professur darauf ab, die Weiterentwicklung von Sozialrechtsnormen auf der Grundlage interdisziplinärer Forschung zu fördern und so einen Beitrag zu rechtspolitischen Debatten im Themenschwerpunkt der Professur zu leisten. Im Rahmen forschungsnaher Lehre sollen die Studierenden ebenso an diesem Austausch beteiligt werden. Über die Schaffung eines sozialrechtlichen Schwerpunktbereichs im Rahmen der juristischen Ausbildung trägt die Lehrtätigkeit der Professur zudem zur Förderung des Nachwuchses für Politik, Verwaltung und Sozialgerichtsbarkeit bei.

Stiftungsprofessur "Ökonomie der Sozialpolitik", Universität Bremen (Prof. Dr. Sebastian Fehrler)

Die Professur widmet sich zwei Forschungsschwerpunkten:

(1) Design und Wirkungsanalysen von sozialpolitischen Programmen

Folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:Mit welchen sozialpolitischen Interventionen kann man vulnerable Gruppen erreichen, deren Armut effektiv reduzieren und deren Zukunftsperspektiven verbessern? Welche Rolle spielt das soziale Netzwerk (Sozialkapital) der Bedürftigen in diesem Kontext? Welche Rolle spielen lokale Regierungen, Korruption und mangelnde Staatskapazität (Ausbildung und Infrastruktur) für die Effektivität von sozialpolitischen Programmen? Wie lässt sich local governance in diesem Zusammenhang verbessern? Mit Hilfe von Feldexperimenten und Umfragestudien in verschiedenen Ländern werden diese Fragen bearbeitet. Die Professur kooperiert in diesen Studien mit zahlreichen Partnern, u. a. mit der Weltbank.

(2) Spieltheoretische Modellierung und experimentelle Untersuchung von Gruppenentscheidungen

Folgende Fragen stehen hier im Mittelpunkt: Wie verhalten sich Menschen in strategischen Entscheidungssituationen, z.B. wenn es darum geht eine optimale Gruppenentscheidung zu treffen? Welche Rolle spielen Kommunikationsprotokolle und Wahlregeln für die Aggregation von Informationen und Präferenzen in Gruppenentscheidungsprozessen und in wiederholten Interaktionen? Welche Rolle spielen Präferenzen und soziale Normen bezüglich der Verteilung von Ressourcen in Gruppenentscheidungsprozessen? Wie gut lässt sich das Verhalten in solchen Situationen spieltheoretisch vorhersagen? Diese Fragen lassen sich gut spieltheoretisch analysieren. Die aus den theoretischen Modellen abgeleiteten Hypothesen wiederum lassen sich gut in Laborexperimenten testen.

 

Stiftungsprofessur "Volkswirtschaftslehre, insbesondere verhaltensbasierte Sozialpolitik (Behavioral Social Policy)", Universität Magdeburg

Weitere Informationen folgen.

2018

Stiftungsprofessur "Kommunale Sozialpolitik", Technische Hochschule Köln (Prof. Dr. Antonio Brettschneider)

Prof. Dr. Antonio Brettschneider ist Inhaber der FIS-Stiftungsprofessur „Kommunale Sozialpolitik“ und Ko-Sprecher des Forschungsschwerpunkts „Autonomieräume im Sozialstaat“ an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Köln. Er ist Mitglied des Vorstands der Sektion „Sozialpolitik“ in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören u.a. Soziale Sicherung im Mehrebenensystem, vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung, Alterssicherung und Altersarmut, vorbeugende und lebenslaufbezogene Sozialpolitik, Subjektperspektiven auf soziale Ungleichheit sowie industrielle Beziehungen.

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Stiftungsprofessur "Digitalisierung der Arbeitswelt", Technische Universität Berlin (Prof. Dr. Stefan Kirchner)

Die Professur „Digitalisierung der Arbeitswelt“ am Institut für Soziologie der TU Berlin nimmt die Arbeitswelt als eines der Zentren aktueller Digitalisierung in den Blick. Die mit der digitalen Transformation verbundene technische Vision einer datentechnisch vollständig miteinander verknüpften Arbeitswelt lebt von der Idee, dass möglichst alle Elemente der Herstellung, der sie flankierenden Dienstleistungen und Logistikprozesse bis hin zu Prozessen der Konsumtion durchgängig digital erfasst und die Daten sowie Prozesse darüber miteinander verknüpft werden. Aufgabe der Professur ist es, die Prozesse der Digitalisierung der Arbeitswelt im Kontext aktueller Vergesellschaftung zu verstehen und mögliche vor allem auch sozio-technische Alternativen für arbeits- und sozialpolitische Akteure im Kontext des deutschen Sozialstaats zu reflektieren. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf Geschäftsmodelle, Erwerbsformen, Formen der Arbeitsorganisation, die verwendeten Arbeitsmittel, die Veränderung von Arbeitstätigkeiten und Arbeitsqualifikationen und die Entwicklung von Berufsbildern und Beschäftigungsstrukturen in einzelnen etablierten Branchen sowie in sich neu herausbildenden Arbeitsfeldern. Dabei nimmt sie Chancen, Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten sowie mögliche Verriegelungen von Pfaden der Digitalisierung in den Blick. Darüber hinaus fokussiert die Professur die Untersuchung arbeitspolitischer Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten, insbesondere in den Bereichen der Mitbestimmung, der Absicherung entgrenzter Arbeit sowie der Qualifizierung, Weiterbildung und Kompetenzentwicklung. Zudem widmet sie sich die Professur dem Wandel gesellschaftlicher Diskurse und Leitbilder im Zusammenhang mit den digitalen Transformationsprozessen, wie dem Diskurs über Ende oder Weiterbestehen des Normalarbeitsverhältnisses oder dem Leitbild der Guten Arbeit.

Die Professur ist inhaltlich angebunden an das Einstein-Zentrum „Digitale Zukunft“, das als Verbundprojekt der Berliner Universitäten das Thema Digitalisierung in seiner vollen Breite vorantreiben und dabei wichtige Implikationen auch für die Gesellschaft bringen soll. Sie ist Bestandteil der Berliner Digitalen Agenda.

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Stiftungsprofessur „Lebenslauforientierte Sozialpolitik“, SOCIUM, Universität Bremen (Prof. Dr. Simone Scherger)

Die Professur „Lebenslauforientierte Sozialpolitik“ wird Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung zu den Wirkungen und zur politischen Gestaltung von veränderten Erwerbsbiographien und sozialer Sicherung betreiben und mit einer soziologisch geprägten Lebenslauforientierung zur Mikrofundierung interdisziplinärer Sozialpolitikforschung beitragen. Inhaltliche Schwerpunkte liegen bei neuen und alten Risiken veränderter Erwerbsverläufe und Lebensformen und bei den Wirkungen jüngerer sozialpolitischer Reformen in Arbeitsmarkt und Alterssicherung; dabei werden spezifische Gruppen wie Frauen, Personen mit Migrationshintergrund, Erwerbsgeminderte oder Alleinselbständige sowie spezifische Lebensphasen in den Blick genommen. In einer auf den Lebensverlauf wie auch die (alltägliche) Lebensführung bezogenen Perspektive wird die Professur den individuellen und gruppenspezifischen Umgang mit sozialen Risiken und sozialpolitischen Regulierungen untersuchen und dabei auch ländervergleichend vorgehen. Zugleich sollen sozialwissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu kontrovers diskutierten aktuellen Problemen wie Lebensstandardsicherung und Armutsrisiken in verschiedenen Lebensphasen bereitgestellt und ein Beitrag zu Gestaltungsmöglichkeiten einer zeitpolitisch sensiblen und nachhaltigen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik geleistet werden.

Die Ausrichtung der Professur knüpft an die seit den 1990er Jahren in Bremen am Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) verfolgte Verbindung einer sozialstrukturell orientierten Lebenslaufforschung mit Sozialpolitikforschung an. Sie unterstützt so die Integration von Sozialpolitikforschung mit soziologischer Ungleichheitsforschung, die jüngst durch Erweiterung des ZeS zum SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik auch institutionell an der Universität Bremen verankert wurde. Darüber hinaus wirkt die Professur an der Doktorandenausbildung in der BIGSSS (Bremen International Graduate School of Social Sciences) und den Sozialpolitik integrierenden und international vernetzten universitären Bachelor- und Masterausbildungen mit. Sie leistet einen wichtigen Beitrag sowohl zur interdisziplinären Lehre und Nachwuchsförderung wie auch zur sozialpolitischen Forschung in Deutschland und ist hoch anschlussfähig an die international vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung.

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Stiftungsprofessur "Soziologie der Sozialpolitik", Humboldt Universität Berlin (Prof. Dr. Philipp Lersch)

In der Forschung untersucht die Professur soziale Ungleichheiten aus einer vergleichenden Lebensverlaufsperspektive. Ziel ist ein besseres Verständnis davon zu erlangen, wie intra- und intergenerationale familiale Prozesse im Kontext verschiedener Wohlfahrtstaaten und unter Berücksichtigung demographischer Veränderungen zu diesen Ungleichheiten führen. Dabei beschäftigt sich die Professur vor allem mit Vermögensungleichheiten sowie Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt. Es wird theoriegeleitete, quantitative empirische Forschung mit Längsschnittdaten wie dem Sozio-oekonomischen Panel und experimentellen Daten durchgeführt. In der Lehre werden verschiedene Veranstaltungen in den Bereichen soziale Ungleichheit und Sozialpolitik für B.A. und M.A. Studierende angeboten. Der Lehrbereich kooperiert eng mit der SOEP-Gruppe am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.