Selbstbestimmte Optionszeiten im Erwerbsverlauf

Projektträger: Universität Bremen, GW1, in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI), Abteilung Familie und Familienpolitik

Ansprechpartner: Prof. Dr. Ulrich Mückenberger, Universität Bremen, GW1 (E-Mail schreiben) und Frau Dr. Karin Jurczyk, Deutsches Jugendinstitut (DJI), Abteilung Familie und Familienpolitik (E-Mail schreiben)

Ziel des rechts- und sozialwissenschaftlichen Kooperationsprojektes ist die Ausarbeitung von Eckpunkten eines innovativen sozialpolitischen Modells für die Gestaltung von Erwerbsverläufen. Das Modell soll Arbeitnehmer/innen im Rahmen von Arbeitsverhältnissen ermöglichen, Erwerbsarbeit mit anderer gesellschaftlicher Arbeit, vor allem der Sorgearbeit, selbstbestimmt und in arbeits- wie sozialrechtlich abgesicherter Form zu verbinden. Es löst sich von der industriegesellschaftlichen Norm des „Normalarbeitsverhältnisses“: Diese orientiert sich am Idealtypus des männlichen Familienernährers, der ununterbrochen vollzeitig bis ins Rentenalter erwerbstätig ist und die Sorgearbeit (Care) – das heißt erziehen, betreuen und versorgen – an andere (in der Regel Frauen) delegiert.

Das Modell will – als neue Normalität – Erwerbstätigen beiderlei Geschlechts einen „atmenden Lebenslauf“ ermöglichen, der in seiner zeitlichen Organisation Phasen der Erwerbsarbeit mit Phasen der Sorge, der Bildung, des Ehrenamts und der Selbstsorge vereinbar und wechselseitig fruchtbar macht (Jurczyk 2015). Ein „Zeitbudget“ für nicht-erwerbliche Arbeit in der Erwerbsphase sowie „Ziehungsrechte“ (Mückenberger 2007) aus diesem Budget sollen den Beschäftigten Optionsrechte für eine zweckgebundene Freistellung von der Erwerbsarbeit über die gesamte Biografie hinweg eröffnen und das Tragen der Lasten dafür fair regeln.

Bausteine des Konzepts sollen im Verlauf des Projekts überprüft und konkretisiert werden. Dabei werden unter Berücksichtigung ausländischer Beispiele

  1. Gesetze und Tarifverträge normativ und empirisch darauf überprüft, ob sie ermöglichen oder gerade erschweren, Erwerbs- und damit Lebensverläufe flexibel, sozial abgesichert und selbstbestimmt zu gestalten (schwerpunktmäßig Uni Bremen)
  2. Zeitverwendungsmuster mit Zeitbedarfen für unterschiedliche Tätigkeiten in unterschiedlichen Lebensphasen abgeglichen und Potenziale und Rahmenbedingungen zukünftiger Ziehungsrechte identifiziert (schwerpunktmäßig DJI) und
  3. die Konturen für die Entwicklung eines lebensverlaufsbezogenen Zeitbudgets mit Ziehungsrechten in Deutschland herausgearbeitet (Uni Bremen/DJI).