GEVOAB – Gerechtigkeitsvorstellungen von erwerbstätigen Arbeitslosengeld II-Beziehern (Aufstockern)

Projektträger: Universität Bremen

Ansprechpartner: PD Dr. Tanja Pritzlaff-Scheele

Welche Gerechtigkeitsvorstellungen herrschen in der Gruppe der erwerbstätigen Arbeitslosengeld II-Bezieherinnen und Bezieher, also in der Gruppe der so genannten Aufstocker, vor? Diese zentrale Forschungsfrage steht im Zentrum des Projekts, das die Einstellungen zum Sozialstaat und die Wahrnehmung zentraler sozialstaatlicher Gerechtigkeitsprinzipien in einer spezifischen Gruppe von Hilfebedürftigen untersucht. Als Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, die in Einstellungen zum Sozialstaat eine Rolle spielen, werden – mit unterschiedlichen Gewichtungen – das Leistungsprinzip, das Bedarfsprinzip sowie Gleichheit identifiziert. Diese Prinzipien stehen dabei aber nicht isoliert nebeneinander, sondern in einem teilweise komplementären, teilweise konkurrierenden Beziehungsgefüge zueinander. Sie lassen sich über klassische Umfrageforschung nur begrenzt abfragen und untersuchen.

Das Projekt will daher auf der Basis eines innovativen Methodenmixes zeigen, dass sich die konkreten Gerechtigkeitsvorstellungen von spezifischen Personengruppen durch den Einsatz einer Kombination aus qualitativen, problemzentrierten Interviews (PZI) und laborgestützten Gruppenexperimenten herausarbeiten lassen. Im Rahmen von Lab-in-the-Field-Experimenten werden die Gerechtigkeitsvorstellungen der Teilnehmenden in konkreten Verteilungsentscheidungen erhoben. Zusätzlich dienen problemzentrierte Interviews dazu, die Bedeutung und Gewichtung unterschiedlicher Gerechtigkeitsprinzipien auf der Basis lebensgeschichtlicher Narrative zu analysieren. Die im Projekt erarbeiteten Ergebnisse und methodischen Werkzeuge werden anschließend in anwendungsorientierte methodische Bausteine für Politik und Verwaltung überführt.