Erwerbstätigkeit von Frauen während der Corona-Krise: Entwicklung über Zeit, (neue) soziale Ungleichheiten und politische Handlungsoptionen

Projektträger: Universität Köln

Ansprechpartner: Dr. Lukas Fervers 

Die Corona-Krise hat zu einem erheblichen Rückgang wirtschaftlicher Aktivitäten geführt. Dieser Rückgang resultiert zum einen aus der Unterbrechung wirtschaftlicher Aktivität (z.B. Schließung von Bars und Restaurants), zum anderen muss bezahlte Erwerbsarbeit zugunsten unbezahlter Arbeit im häuslichen Kontext reduziert werden. Hiervon sind Familien mit Kindern aufgrund von Schul- und Kitaschließungen in besonderem Maße betroffen, da sie die Betreuung der Kinder anderweitig organisieren müssen.

Unter den erforderlichen Bedingungen zur Verlangsamung der Pandemie lässt sich eine Reduktion der Erwerbsarbeit zwar nicht vollständig vermeiden, jedoch drängen sich aus sozialpolitischer Sicht mehrere Fragenkomplexe zu den genauen Auswirkungen auf unterschiedliche Personengruppen und zu möglichen politischen Handlungsoptionen auf.

Das hier vorgeschlagene Projekt soll vier Fragen nachgehen. (1) Zunächst soll analysiert werden, wie sich Erwersarbeit und unbezahlte Arbeit bzw. die Reduzierung bezahlter Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern unterscheidet und ob bestehende Geschlechteruntereschiede durch die Krise noch weiter verstärkt werden. (2) Im Zweiten Schritt soll analysiert werden, wie sich Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit über die Zeit entwickeln. Hierbei soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, ob und wie schnell nach der Lockerung der Beschränkungen eine Rückkehr zum Zustand vor der Krise erreicht wird. (3) Drittens sollen die Auswirkungen sozialpolitischer Regulierungen, insbesondere die Wiedereröffnung der Schulen und Kitas, auf die Erwerbsarbeit analysiert werden. Von besonderer Bedeutung ist hierbei, ob und wie stark eine Wiedereröffnung den Erholungsprozess beschleunigt. (4) Zuletzt stellt sich die Frage, ob auch innerhalb der Gruppe der Frauen Unterschiede nach bestimmten Merkmalen zu beobachten sind. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob Ungleichheiten vor allem dort zunehmen, wo sie vorher besonders ausgeprägt waren.

Die Analysen basieren auf einem einzigartigen Datensatz, der eine am IAB durchgeführte hochfrequente Personenbefragung (HOPP) mit Sozialversicherungsdaten der Befragten (bei Vorliegen einer Einwilligungserklärung) verknüpft. Hierdurch können wir neben der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit auch die tatsächliche Arbeitszeit beobachten, die insbesondere zu Zeiten der Corona-Krise deutlich abweichen kann. Diese Daten werden außerdem mit regionalen Daten zur Verfügbarkeit von Kinderbetreuung sowie den RKI Daten zum Infektionsgeschehen kombiniert.