Neuerungen im FIS

Förderung eines FIS-Zentrums

Mit dem FIS-Zentrum steht eine der größten strukturellen Erweiterungen des FIS an. Ab dem kommenden Frühjahr soll ein FIS-Zentrum aufgebaut werden. Die entsprechende Förderbekanntmachung zum Aufbau und Betrieb eines FIS-Zentrums im Rahmen des Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS)  veröffentlichte das BMAS im Mai 2020. Das FIS-Zentrum soll den Austausch zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik vertiefen. Es soll die Aktivitäten des FIS noch stärker bündeln und die Sozialpolitikforschung in Deutschland so noch besser sichtbar machen.

Neue FIS-Professuren

In 2020 wurden drei weitere Professuren in den Disziplinen Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft mit Mitteln des FIS eingerichtet. Eine weitere Stiftungsprofessur wird derzeit besetzt.

 
Stiftungsprofessur „Das Recht der sozialen Sicherung mit dem Schwerpunkt in Digitalisierung oder in Migration“, Universität Hamburg (Jun.-Prof. Dr. Gabriele Buchholtz)

Mit der neuen Professur „Das Recht der sozialen Sicherung mit dem Schwerpunkt in Digitalisierung oder in Migration“ wird eine Schnittstelle der Sozialpolitikforschung zwischen Sozial- und Arbeitsrecht geschaffen. Die Professur wird im Öffentlichen Recht verortet; sie deckt sozial- und arbeitsrechtliche Kernfragen ebenso ab wie Migrations- und Digitalisierungsthemen. Weil Lösungsansätze für die hier aufgeworfenen Fragen im Austausch mit den Nachbarwissenschaften – insbesondere den Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften – zu suchen sind, ist die Professur interdisziplinär ausgerichtet.

In der Forschung widmet sich die Professur der sozialen Sicherung im Kontext der globalen Migration und der zunehmenden Digitalisierung. In den Blick genommen wird der tatsächliche Wandel, mit dem die Rechtsordnung, insbesondere das Sozial- und Arbeitsrecht, konfrontiert ist. Konkrete Forschungsperspektiven sind einerseits der Bereich Migrations- und Integrationsrecht, wobei die Ermöglichung von chancengleicher Teilhabe und der Umgang mit kultureller Vielfalt im Zentrum der Forschung stehen. Ferner widmet sich die Professur der sozial- und arbeitsrechtlichen Sicherung im grund- und menschenrechtlichen Kontext. Ein dritter Forschungsbereich betrifft die Themen Digitalisierung und Recht, insbesondere die soziale und demokratische Teilhabe im digitalen Zeitalter und die Regulierung künstlicher Intelligenz zum Wohle der Allgemeinheit.

In der Lehre widmet sich die Professur insbesondere der universitären Schwerpunktlehre im Bereich des Sozialrechts mit seinen arbeitsrechtlichen Bezügen. Die Professur wird Themen und Konzepte für eine moderne, kompetenzorientierte und studienzentrierte (digitalen) Lehre entwickeln. Ziel der Forschungs- und Lehrtätigkeit ist es, Studierende an Fragen der sozialen Gerechtigkeit heranzuführen und ihr Bewusstsein für die gesellschaftliche Relevanz des Rechts im nationalen ebenso wie im globalen Kontext zu schärfen. Darin liegt eine enorme Verantwortung angehender Juristinnen und Juristen, die es wahrzunehmen gilt. Dazu möchte die Professur einen Beitrag leisten.

Stiftungsprofessur „Öffentliches Recht und Europäisches Recht mit Schwerpunkt in der interdisziplinären Sozialrechtsforschung", Europa-Universität Viadrina (Prof. Dr. Claudia Maria Hofmann)

Die Professur für Öffentliches Recht und Europäisches Sozialrecht mit Schwerpunkt in der interdisziplinären Sozialrechtsforschung (Prof. Dr. Claudia Maria Hofmann) wendet sich in Forschung und Lehre insbesondere der Schnittstelle von Sozialrecht und Gesellschaft in ihrer nationalen, europäischen und internationalen Dimension zu. Mit Blick auf Ziele wie etwa die Bekämpfung von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung, die Förderung sozialer Gerechtigkeit und sozialen Schutzes oder die Verbesserung der Lebensstandards der Menschen, wie sie in europäischen und internationalen Rechtsinstrumenten enthalten sind, stellt sich die Frage, wie Rechtsnormen im Mehrebenensystem und die durch sie geschaffenen Verfahren, Institutionen und Überwachungsmechanismen beschaffen sein müssen, um diese Ziele tatsächlich zu fördern und widerstreitende Interessen in einen angemessenen Einklang zu bringen. Die Frage, welche Rolle das Recht effektiv bei der Verwirklichung dieser Ziele spielen kann, kann das Recht kaum aus sich selbst heraus beantworten. Hier ist der Dialog mit Nachbardisziplinen wie der Soziologie, Politikwissenschaft, Ökonomie, Philosophie oder auch der Verhaltensbiologie und -psychologie erforderlich. So zielt die Professur darauf ab, die Weiterentwicklung von Sozialrechtsnormen auf der Grundlage interdisziplinärer Forschung zu fördern und so einen Beitrag zu rechtspolitischen Debatten im Themenschwerpunkt der Professur zu leisten. Im Rahmen forschungsnaher Lehre sollen die Studierenden ebenso an diesem Austausch beteiligt werden. Über die Schaffung eines sozialrechtlichen Schwerpunktbereichs im Rahmen der juristischen Ausbildung trägt die Lehrtätigkeit der Professur zudem zur Förderung des Nachwuchses für Politik, Verwaltung und Sozialgerichtsbarkeit bei.

Stiftungsprofessur "Ökonomie der Sozialpolitik", Universität Bremen (Prof. Dr. Sebastian Fehrler)

Die Professur widmet sich zwei Forschungsschwerpunkten:

(1) Design und Wirkungsanalysen von sozialpolitischen Programmen

Folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:Mit welchen sozialpolitischen Interventionen kann man vulnerable Gruppen erreichen, deren Armut effektiv reduzieren und deren Zukunftsperspektiven verbessern? Welche Rolle spielt das soziale Netzwerk (Sozialkapital) der Bedürftigen in diesem Kontext? Welche Rolle spielen lokale Regierungen, Korruption und mangelnde Staatskapazität (Ausbildung und Infrastruktur) für die Effektivität von sozialpolitischen Programmen? Wie lässt sich local governance in diesem Zusammenhang verbessern? Mit Hilfe von Feldexperimenten und Umfragestudien in verschiedenen Ländern werden diese Fragen bearbeitet. Die Professur kooperiert in diesen Studien mit zahlreichen Partnern, u. a. mit der Weltbank.

(2) Spieltheoretische Modellierung und experimentelle Untersuchung von Gruppenentscheidungen

Folgende Fragen stehen hier im Mittelpunkt: Wie verhalten sich Menschen in strategischen Entscheidungssituationen, z.B. wenn es darum geht eine optimale Gruppenentscheidung zu treffen? Welche Rolle spielen Kommunikationsprotokolle und Wahlregeln für die Aggregation von Informationen und Präferenzen in Gruppenentscheidungsprozessen und in wiederholten Interaktionen? Welche Rolle spielen Präferenzen und soziale Normen bezüglich der Verteilung von Ressourcen in Gruppenentscheidungsprozessen? Wie gut lässt sich das Verhalten in solchen Situationen spieltheoretisch vorhersagen? Diese Fragen lassen sich gut spieltheoretisch analysieren. Die aus den theoretischen Modellen abgeleiteten Hypothesen wiederum lassen sich gut in Laborexperimenten testen.