2. FIS-Forum

„Gute Politik braucht gesicherte Erkenntnisse und solides Wissen - statt Mutmaßungen und gefühlten Wahrheiten. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung – aber nicht auf seine eigenen Fakten. Um meine Arbeit zu machen, brauche ich Sie und Ihre Arbeit. Ohne solide Forschung, ohne gesicherte Erkenntnisse, ist keine gute Politik möglich.“ Mit diesen Worten eröffnete Bundesminister Hubertus Heil das 2. FIS-Forum des BMAS-Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) am 9. Oktober 2018 in Berlin.

Angesprochen waren damit insbesondere alle FIS-geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in Forschungsprojekten, Nachwuchsgruppen und im Rahmen von Stiftungsprofessuren zu vielfältigen Themen wie Digitalisierung der Arbeitswelt, Schnittstellen in der Sozialpolitik, Wiedereinstiege exkludierter Personen in den Arbeitsmarkt, Migration und Sozialpolitik und Zeitpolitik forschen. Sie stellten auf dem 2. FIS-Forum ihren Arbeitsstand vor. Mit dem FIS unterstützt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales neue Ansätze in der wissenschaftlichen Erforschung sozialpolitischer Themen.

Unter den über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die im Tagungswerk Jerusalemkirche zusammenkamen, waren neben Angehörigen von Forschungsinstituten, Universitäten und Hochschulen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung. So fanden Austausch und Vernetzung auch mit Adressaten sozialpolitischer Forschung statt. 

Im Frühjahr 2018 nahmen die vier FIS-geförderten Professuren ihre Arbeit auf. Sie stellten auf dem 2. FIS-Forum die Ausrichtung der Stiftungsprofessuren und ihre Forschungsschwerpunkte vor.

Die FIS-Stiftungsprofessur „Digitalisierung der Arbeitswelt“ am Institut für Soziologie der TU Berlin nimmt die Arbeitswelt als eines der Zentren aktueller Digitalisierung in den Blick. Prof. Stefan Kirchner wies in seinem Vortrag auf den großen Bedarf an Grundlagenforschung hin, um fundierte Aussagen zu sozialpolitischen Folgen der Digitalisierung treffen zu können. Derzeit fehlten noch theoretischen Konzepte und quantitative Forschung. Hier sieht er seine Aufgabe: Visionen und Prognosen empirisch ausfüllen und Übersicht schaffen.

Prof. Antonio Brettschneider hält den Lehrstuhl für kommunale Sozialpolitik an der Technischen Hochschule Köln. Er skizzierte die Vielfalt der kommunalen Sozialpolitik im wohlfahrtstaatlichen Mehrebenensystem und umriss damit seine Forschungsagenda. Exemplarisch beleuchtete er kommunale Netzwerkstrategien als freiwillige Aufgabe der Kommunen, die Bereitstellung von Kinderbetreuung als deren Pflichtaufgabe und die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung als Pflichtaufgaben durch den Auftrag des Bundes. (Hier geht es zur Präsentation)

Die FIS-Stiftungsprofessur „Lebensorientierte Sozialpolitik“ an der Universität Bremen stellt die Wirkungen und politische Gestaltung von veränderten Erwerbsbiographien und sozialer Sicherung in den Mittelpunkt. Prof. Simone Scherger stellte in ihrem Vortrag drei Forschungsschwerpunkte vor, denen sie sich in den nächsten Jahren widmen möchte: Die Wahrnehmung und Verarbeitung sicherungsbezogener Risiken auf der
Mikroebene der Lebensführung, die Gestaltung und Absicherung atypischer Erwerbsverhältnisse und diskontinuierlicher Erwerbsverläufe im internationalen Vergleich sowie Lebenslauf-Leitbilder und Anforderungen an individuelle Akteure in aktuellen sozialpolitischen Reformen und Reformkonzepten verschiedener Wohlfahrtsregime. (Hier geht es zur Präsentation)

Prof. Philipp Lersch hat den Lehrstuhl „Soziologie der Sozialpolitik“ an der Humboldt Universität Berlin inne. Die Professur beschäftigt sich mit Fragen des Verhältnisses von Ungleichheit und Sozialpolitik. Vor dem Hintergrund des rapiden Wandels der Arbeitswelt, des technologischen Wandels und sozialstrukturellen Veränderungen soll erforscht werden, wie verschiedene Gruppen der Gesellschaft von Änderungen betroffen sind und welche neuen Anforderungen sich dadurch an investive und umverteilende Sozialpolitik stellen. Prof. Philipp Lersch legte in seinem Vortrag den Fokus auf Vermögensungleichheit und die Familie und möchte sich künftig vertieft mit Ungleichheiten innerhalb von Paarbeziehungen und dem Einfluss von Herkunftsfamilien auf Ungleichheit beschäftigen. (Hier geht es zur Präsentation)

Neben der Vorstellung FIS-geförderter Vorhaben wurde über aktuelle Forschung aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zur Begleitforschung des Bundesteilhabegesetzes berichtet. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellte zudem den neuen Forschungsschwerpunkt „Sicherheit und Gesundheit in der digitalen Arbeitswelt“ vor. Im Rahmen einer Postersession und im persönlichen Gespräch hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, sich noch weitergehend zu den Vorhaben zu informieren und auszutauschen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales kündigte an, ergänzend zu den FIS-Förderungen in den nächsten Jahren ein wissenschaftlich unabhängiges sozialpolitisches Forschungsinstitut aufbauen zu wollen, um die Sozialpolitikforschung nachhaltig zu stärken und zur überregionalen Strukturbildung beizutragen. Das Institut soll übergreifende Forschungsfragen interdisziplinär und durch die Kombination sich ergänzender Methoden bearbeiten. Das zu gründende Institut soll keine Ressortforschungseinrichtung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sein.

Im kommenden Jahr wird die erfolgreiche Reihe der FIS-Foren fortgesetzt.

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