Veranstaltungsbericht

3. FIS-Forum am 08. und 09. Oktober 2019 im Humboldt Carré Berlin

15.10.2019

Das BMAS hat am 08. und 09. Oktober in das Humboldt Carré in Berlin eingeladen, um allen Geförderten des FIS die Gelegenheit zu geben, mit anderen Geförderten, Wissenschaft und Verwaltung in einen Dialog zu treten – über die Anlage und Ergebnisse der eigenen Forschung im Besonderen und das Verhältnis von Wissenschaft und Politik im Allgemeinen.

„Das Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung – kurz: FIS – hat der Sozialpolitikforschung an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen gutgetan. Doch die Arbeit geht weiter. Wir wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stärker vernetzen und unterstützen. Wir wollen die Forschungsarbeit verstetigen. Und wir wollen erreichen, dass die sozialpolitische Forschung in Zukunft gezielter in den politischen Diskurs eingespeist werden kann.“

Mit diesen Worten eröffnete Staatsekretärin Leonie Gebers das FIS-Forum 2019, die Konferenz des Forschungsnetzwerks Interdisziplinärer Sozialpolitikforschung, dem durch das BMAS geförderten Verbund sozialpolitisch forschender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland, und gab damit die Stoßrichtung vor, die im Folgeprogramm immer wieder aufgegriffen wurde: Vernetzung,Verstetigung sowie ein besserer Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Politik.

Bereits zum dritten Mal trafen sich am 08. und 09. Oktober etwa 150 Akteure aus Wissenschaft, Verwaltung und Politik zum FIS-Forum, um gemeinsam über Stand, Relevanz sowie Innovationskraft deutscher Sozialpolitikforschung zu debattieren; aber auch, um einen Eindruck über die ersten drei Jahre FIS an deutschen Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu bekommen.

Der erste Tag war ganz den Forschungsprojekten und Nachwuchsgruppen gewidmet, die Ergebnisse ihrer Forschung vorstellten. Es wurde deutlich, welche inhaltliche und methodische Breite sozialpolitische Forschung innerhalb des FIS besitzt. So reichten die vorgestellten Projekte von der Erforschung der Arbeitsrealität von Pflegekräften auf Basis von Respondent-driven Samplings, über die mittels des Capability-Ansatzes zu beantwortende Frage, was exkludierte Personen benötigen, um wieder am sozialen und Arbeitsleben teilnehmen zu können, bis hin zur Entwicklung eines rechts- und sozialwissenschaftlich fundierten Modells lebenslaufbezogener Zeitbudgets zur sozialpolitischen Regelung der zukünftigen Arbeitszeitgestaltung. Die ausgewählten Kommentare aus den zuständigen Fachreferaten des Bundesministeriums, welche die allgemeine Debatte eröffneten, wiederum zeigten, wie fruchtbar die Ergebnisse auch für die politische Debatte gemacht werden können; ein innovatives Format, das seitens der Forumsteilnehmenden überaus positiv aufgenommen wurde.

Der erste Tag des FIS-Forums endete mit einem Get together, das Raum für Diskussionen und Vertiefung bot und somit insbesondere zur weiteren Vernetzung beitragen konnte.

Den zweiten Tag des FIS-Forums leiteten die Inhaber der FIS-geförderten Stiftungsprofessuren an der Humboldt Universität Berlin („Soziologie der Sozialpolitik“), Prof. Dr. Philipp Lersch, und der Technischen Hochschule Köln („Kommunale Sozialpolitik“), Prof. Dr. Antonio Brettschneider, ein. Prof. Lersch präsentierte Ergebnisse aus einer vergleichenden Forschung zur Bedeutung von Vermögen beim Übergang in die Arbeitslosigkeit. Prof. Brettschneider und Team stellten ihre Untersuchung zu den Auswirkungen von Kinderarmut auf die Lebens- und Aufwachsbedingungen von Kindern vor.

Das FIS ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Weg, auf dem das BMAS Forschung fördert. Jörg Deml, Leiter des Referates „Wohlstandsmessung, Armuts- und Reichtumsfragen“, erläuterte die Forschungsvorhaben, die derzeit rund um die Erstellung des sechsten Armuts- und Reichtumsberichts gefördert werden. André Große-Jaeger, Leiter des Referates „Gesundheitliche Auswirkungen des Wandels der Arbeit, Arbeitsstätten“, stellte gemeinsam mit Dr. Philipp Grunau vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung den im Forschungsvorhaben „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“ erhobenen Datensatz „Linked-Personnel-Panel“ vor. Dieser wird bereits im In- und Ausland rege für Forschungen genutzt, die darauf abzielen, sowohl eine Arbeitnehmer- als auch eine Arbeitergeberperspektive miteinzubeziehen.

Im Anschluss konnten alle Forschungsprojekte und Nachwuchsgruppen der zweiten Förderrunde im Rahmen einer moderierten „Poster-Session“ ihre geplanten Vorhaben vor- und zur Diskussion stellen. Auch in der zweiten Förderrunde zeigte sich die thematische („Einfluss von Legal Tech auf die Sozialverwaltung“) und methodische („Experimental-ökonomische Erforschung der Hilfsbereitschaft gegenüber Geflüchteten“) Vielfalt und damit auch das Potenzial des Fördernetzwerks bzw. der deutschen Sozialpolitikforschung.

Eine unabhängige und leistungsfähige Forschung sowie Analysen über den tagespolitischen Zeithorizont hinaus sind für das BMAS wichtig, um politische Gestaltungsbedarfe erkennen und politische Entscheidungen empirisch fundieren zu können. In welchem Umfang wissenschaftliche Politikberatung dabei auf Forschung angewiesen ist, in welchem Umfang sie darüber hinaus geht und ob es sich zudem um eine Aufgabe handelt, auf welche die Hochschulen die Studierenden besser vorbereiten sollten, war Gegenstand der Podiumsdiskussion mit Akteuren aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Am Ende der Diskussion waren sich alle Anwesenden einig, dass der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik zentral ist und die „Übersetzung“ wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktische Politik verbessert werden muss. Bei der Frage, ob Politikberatung mittelfristig als ein eigenes (universitäres) Feld zwischen den Systemen anzuerkennen sei, blieben die Diskutantinnen und Diskutanten hingegen – auch im Austausch mit den Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmern – uneins.

Was bleibt vom dritten FIS-Forum? Um es mit den Worten von Abteilungsleiter Nermin Fazlic zu sagen: „Würde es das FIS nicht schon geben, hätte man es erfinden müssen.“ Mit dem Fördernetzwerk wurden die Grundlagen geschaffen, die Sozialpolitikforschung in Deutschland signifikant zu stärken, durch die Förderung von Forschungsprojekten, aufstrebenden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern wie auch neu berufenen Professorinnen und Professoren.

Der nächste entscheidende Schritt wird darin liegen, die Bande zwischen den Akteuren im FIS enger zu knüpfen, ihren Austausch zu verstetigen und den Aufbau eines FIS-Zentrums auf den Weg zu bringen. Dies wurde von der Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr positiv aufgenommen.

 

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